In dieser Ausgabe:
>> Cai Guo-Qiang in New York / Max Bills "Kontinuität" zieht um / Von der Deutschen Bank geförderte Ausstellungen ausgezeichnet
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Kontinuität in der Schwebe
Max Bills monumentale Skulptur zieht an einen neuen Standort






Mit rund sechzig Tonnen ist sie das schwergewichtigste Werk in der Sammlung Deutsche Bank. Unverrückbar stand Max Bills Skulptur Kontinuität seit 1986 auf der Plaza vor den Zwillingstürmen der Frankfurter Bankzentrale. Der markante, 4,5 Meter hohe Monolith wurde ebenso zu einem Wahrzeichen der Deutschen Bank wie der Stadt Frankfurt. Diesen Februar jedoch geriet das gewundene Band ins Schweben: auf Grund der Modernisierung der beiden Bürohochhäuser musste es den anrückenden Kränen weichen.






Schon die Realisierung der Skulptur war überaus aufwendig. Der riesige Granit-Monolith musste von einem Steinbruch auf Sardinien nach Carrara transportiert werden, wo Bill 1984 mit der Arbeit an dem gedrehten Endlosband begann. Zwei Jahre später hatte er die Plastik vollendet und sie trat ihre Reise nach Deutschland an: auf dem Seeweg ging es über Gibraltar nach Rotterdam, von dort auf Rhein und Main zum Frankfurter Osthafen. Am 7. September 1986 war es schließlich so weit: mit Hilfe eines Krans wurde die Kontinuität von einem Tieflader auf ihren Sockel gesetzt – als monumentaler Abschluss der Kunstausstattung der Zwillingstürme.



Jetzt ging die Skulptur erneut auf Reisen – zwar nur legte sie nur eine kurze Strecke zurück, doch auch hierfür war ein Höchstmaß an Logistik erforderlich. In einer nächtlichen Aktion errichteten Arbeiter ein Stahlgerüst um die Plastik. Auf der grauen, blank polierten Oberfläche wurden eigens Sensoren angebracht, um die Spannung in der aus einem einzigen Block gearbeiteten Granitplastik zu messen. Die Daten wurden an einen Laptop übermittelt und während des Transports von einem Experten beobachtet und ausgewertet. Mit Hilfe eines Krans wurde die Kontinuität auf einen Tieflader gehoben, der sie rund 100 Meter weit an ihren neuen Standort transportierte.

Sonntagmittag war es dann so weit: zahlreiche Medienvertreter und Schaulustige konnten die monumentale Arbeit an ihrem neuen Standort vor der nahe gelegenen historischen Villa Sander bewundern. Die Rückreise dieses Hauptwerks der Moderne ist für 2010 terminiert, dann ist die Modernisierung der Zwillingstürme abgeschlossen.






Kontinuität ist die wohl bekannteste Arbeit des Schweizers Max Bill, dessen Geburtstag sich diesen Dezember zum hundertsten Mal jährt. Aus diesem Anlass widmen ihm derzeit gleich zwei Museen in seiner Geburtsstadt Winterthur eine Ausstellung. Während das Kunstmuseum eine Retrospektive der Gemälde und Plastiken zeigt, präsentiert das benachbarte Gewerbemuseum den Gestalter Bill. Denn der Künstler hat nicht nur als Maler und Bildhauer, sondern auch als Architekt, Typograph, Produktdesigner, Lehrer – u. a. an der einflussreichen Hochschule für Gestaltung in Ulm – und Publizist das Erscheinungsbild des 20. Jahrhunderts geprägt. Als Vertreter der Konkreten Kunst ging es dem Bauhaus-Schüler darum, Werke zu schaffen, die auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruhen. Sie sollten Geistiges materialisieren, ohne dabei jedoch symbolische Bedeutung zu besitzen. "konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz." So beschrieb er 1947 die Idealvorstellung seiner Kunst. Mit seiner Skulptur Kontinuität hat Max Bill dieses Ideal auf eindrucksvolle Weise verwirklicht.





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